Ein Hoch auf das Networking

So ein Arbeitstag kann für eine Selbstständige wie mich im Homeoffice manchmal ziemlich zäh sein. Du sitzt vor deinem Rechner, tippst in die Tasten, hast maximal noch das Radio laufen, aber ansonsten passiert nichts. Kein Schnack mit dem Tischnachbarn, kein Smalltalk beim Kaffeeautomaten, noch nicht einmal das neueste Getratsche auf der Frauentoilette.

Es ist ruhig. Einfach nur ruhig.

Du denkst, ist doch himmlisch! Ja, oft ist es herrlich, wenn ich in aller Ruhe meine Texte formulieren kann. Keiner stört, niemand lenkt mich ab (bis auf die piepsende Waschmaschine, die ausgeschaltet werden möchte!) und theoretisch lässt sich mein Arbeitstag super produktiv gestalten.

Homeoffice macht einsam!?

Jetzt kommt das große ABER: Hin und wieder fehlt mir einfach etwas. Etwas Soziales, Aufmunterndes, Lustiges, Menschliches. Informieren und weiterbilden kann ich mich natürlich über Bücher und das Internet. Der Austausch, von Kollegin zu Kollegin etwa, ist dadurch aber nicht zu ersetzen.

Vor einem Jahr habe ich für das Portal OnlineMarketing.de einen Artikel über das Arbeiten von Zuhause geschrieben und dabei 9 gute Gründe aufgelistet, warum man dem Homeoffice den Rücken kehren sollte. Die Schattenseiten des Homeoffice sind in diesem Artikel zwar etwas überspitzt dargestellt, die einzelnen Gründe aber durchaus nachvollziehbar.

Coworking als Lösung?

Co-working Space
Trendiger Coworking Space, Bildquelle: Unsplash

Deshalb dachte ich schon daran, in einem Coworking Space zu arbeiten, damit man sich mit anderen „Gleichgesinnten“ ein Büro teilt, um eine gewisse Isolation zu vermeiden. In meiner Stadt gibt es allerdings keine für mich passenden, flexiblen Modelle. Außerdem habe ich zu Hause mein eigenes Büro, gemütlich eingerichtet, die Kaffeemaschine nur eine Etage tiefer. Nach Feierabend kann ich einfach alles stehen und liegen lassen. Tür zu, Feierabend! Lästige Fahrten mit Bus oder Auto entfallen. Die viel zu hohe Miete für den Platz im „Space“ spare ich mir lieber.

Coworking ist für mich – zumindest aktuell – also keine Lösung.

Wenn dich das Netzwerken aus dem Sumpf zieht

Zum Glück gibt es Möglichkeiten, sich auf geschäftlicher Ebene auszutauschen, auch wenn man die meiste Zeit allein im Homeoffice verbringt. Was ich früher, also während meiner Ausbildungs- und Studienzeit und auch in meinen Jahren als Angestellte, als eher lästig und befremdlich empfand, kommt mir heute so vor, als wäre ich irgendwie abhängig davon. Als würde mich dieses Netz sozusagen aus dem Sumpf der Isolation ziehen.

Klingt dramatisch.

Aber ohne das Networking ist die Selbstständigkeit ein ständiger Kampf gegen das Ausdiskutieren mit sich selbst.

Was meine ich damit? Als Freelancer bin ich nicht nur Texterin, sondern nebenbei auch Buchhalterin, Sekretärin, Marketing-Leiterin, PR-Frau, Neukundengewinnerin, Webdesignerin, Kundenberaterin und technischer Support. Sprich, ich erledige so viele andere Aufgaben im Hintergrund meines Business, dass ich gelegentlich überfragt bin, ob das – vor allem das, was „nebenherläuft“ – und wie ich es mache, richtig ist. Es liegt also nahe, dass man sich vergewissert, ob man noch auf dem richtigen Weg ist oder der Boden unter den Füßen nicht schon langsam etwas hölzern wird.

Der Austausch unter KollegInnen gehört für mich ganz wesentlich zu meinem Freelancer-Alltag dazu. Unter Networkingverstehe ich vor allem Diskussionen, Besprechungen oder Unterstützung unter Texter-KollegInnen. Interessant und inspirierend ist für mich aber gleichwohl das Netzwerken mit anderen Marketing-Fachleuten.

Aktuell bin ich Teil dieser Netzwerke:

Networking ist nichts für Angsthasen

Netzwerken kostet Zeit, ist aber meistens ziemlich wertvoll. In manchen Netzwerken dauert es etwas länger, bis es Früchte trägt (und damit meine ich gar nicht, dass dabei Aufträge herausspringen). Erst, wenn man eine vertrauensvolle Beziehung zu einem Kollegen aufgebaut hat, ist es überhaupt möglich, bestimmte Themen zu besprechen, ohne Angst haben zu müssen, dass man dafür belächelt wird. Denn jeder fängt mal klein und unerfahren an.

Nur diejenigen, die mutig nachfragen und sich neuen Herausforderungen stellen, werden reicher. Reicher an Erfahrungen, Informationen, Kontakten und (geschäftlichen) Beziehungen.

Die Hürden zum Networken sind je nach Netzwerk und Gruppe unterschiedlich groß, gerade wenn man, so wie ich, nicht der geborene Netzwerk-Typ ist. Hier gilt es die für sich passenden Gruppen zu finden.

Reflexion – die Möglichkeit zu lernen und zu wachsen

Ich stelle mir in regelmäßigen Abständen und immer nach den Treffen und Veranstaltungen (bzw. nach meinem virtuellen Networking) immer wieder diese Fragen:

  • Habe ich etwas dazugelernt, fühle ich mich jetzt informierter?
  • Gab es Gesprächspartner, mit denen ich den Kontakt evtl. intensivieren möchte?
  • Wem kann ich helfen, wer kann mich unterstützen?
  • Habe ich mich bei der Veranstaltung bzw. im Chat wohl gefühlt?

Wenn ich mich unwohl gefühlt habe, stelle ich mir diese Fragen:

  • Welche Erwartungen hatte und habe ich von diesem Treffen, von genau diesem Netzwerk?
  • Wie habe ich mich selbst eingebracht? Habe ich vielleicht nur genommen, statt auch zu geben?
  • Gab es „schwierige“ Gesprächspartner? Wie könnte ich mich das nächste Mal gegenüber genau diesen Menschen verhalten?
  • Bringt mir dieses Netzwerk auf lange Sicht einen Mehrwert? Oder sollte ich meine Arbeitszeit besser in anderes investieren?

Und doch noch ein Hoch auf das Homeoffice

Bevor am Ende noch der Eindruck entsteht, das Homeoffice sei der Grund allen Übels. Nein, natürlich nicht! Ich liebe mein Homeoffice, die Möglichkeit, meinen Arbeitstag relativ flexibel gestalten zu können, ohne jemanden, dem ich Rechenschaft ablegen muss. Ich bin mein eigener Chef. Das ist ein großartiges Gefühl. Selbst wenn ich mich irgendwann wieder für eine Festanstellung entschließen sollte, ist allein die Erfahrung der Selbstständigkeit ein so wertvolle, die ich nicht missen möchte.

Ich muss lediglich aufpassen, dass mir beim Arbeiten zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fällt. Die Networking-Treffen in der Stadt kommen da gerade recht.

Ein Hoch auf das Homeoffice und das Networking!

 

In diesem Sinne – einfach textgenial!

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Über die Autorin

Petra Jahn-Firle, Jahrgang 1979, freiberufliche Texterin. Ich unterstütze andere Selbstständige, kleine und mittlere Unternehmen mit textgenialen Inhalten und kooperiere mit Digitalagenturen, die frische Ideen von außen benötigen. Auf meinem textgenial Blog schreibe ich über das Texten im Web, über Content Marketing und über all die kuriosen Dinge, mit denen sich ein Freelancer wie ich so den lieben langen Tag auseinandersetzt.