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[Interview] Von „Ethical Business“ und einem Brief an den Papst

Auf meinem Blog möchte ich in den kommenden Monaten besondere Menschen vorstellen. Menschen, mit denen ich gerne zusammenarbeite, die mich – auch mental – unterstützen oder die mir jederzeit zur Seite stehen. Es sind Partnerinnen und Partner, die ich in meiner Selbstständigkeit als Texterin nicht mehr missen möchte. Denn eines ist klar: Als Freiberuflerin im Homeoffice habe ich zwar alle Freiheiten und bin mein eigener Herr (bzw. meine eigene Herrin 😉), in einem starken Netzwerk lassen sich aber ganz andere und umfassendere Projekte für die Kunden stemmen. Dazu muss man heutzutage nicht unbedingt persönlich an einem Tisch sitzen. Unsere digitalisierte Welt macht so eine Zusammenarbeit auch über Grenzen hinweg ganz einfach möglich.

Interview mit Lucy Pembayun

Auf Lucy bin ich vor wenigen Monaten mehr oder weniger durch Zufall gestoßen – über Facebook. Dort wurde sie in einer Gruppe als Deutsch-Englisch Übersetzerin empfohlen. Die erste Zusammenarbeit verlief so unkompliziert und sympathisch, dass ich mir damals schon dachte, wir würden uns wieder begegnen – wenn auch erst einmal „nur“ virtuell. Und so steht sie auch heute ganz offiziell auf meiner Website als feste Partnerin für Übersetzungen vom Deutschen ins Englische.

Zwischen Lucy Pembayun von LEaF Translations und mir gibt es gleich mehrere Parallelen, die uns in besonderer Weise verbinden: Ihre beiden Kinder sind im gleichen Alter wie meine, sie hat im Jahr 2017 ihr Unternehmen gegründet, und sie kennt meine Heimatstadt Fulda sehr gut, wo sie zwei Jahre lang gelebt und an der Hochschule „Interkulturelle Kommunikation und Europäische Studien“ studiert hat. Wenn da mal das Schicksal nicht ein wenig nachgeholfen hat!

Mit Lucy habe ich einen Facetime-Call geführt, bei dem wir uns das erste Mal überhaupt „live“ gesehen haben. Vorher verlief unsere Zusammenarbeit rein über E-Mails.

Petra: Was steckt hinter dem Begriff LEaF Translations? Warum hast du deine Übersetzungsagentur so genannt?

Lucy: Ich suchte für meine Übersetzungsagentur, die ich gründen wollte, einen schönen kurzen Namen. Einen, den man auf Deutsch gleich versteht und der zudem gut klingt. Das Wort LEaF (dt = „Blatt“) gefällt mir nicht nur, weil ich ein naturverbundener Mensch bin, sondern weil es als Akronym für Language Expertise and Finesse genau das beinhaltet, wofür ich mit meiner Agentur stehe: hochwertige Übersetzungen zum fairen Preis.

Logo LEaF Translations
Logo LEaF Translations

Petra: Wie kommt es, dass du (nur) Deutsch-Englisch Übersetzungen anbietest?

Lucy: Deutsch habe ich an der University of Edinburgh gelernt und die Sprache dann während meines Deutschland-Aufenthalts in Bamberg und Fulda vertieft. Damals, im Jahr 2006, habe ich begonnen, für ein Übersetzungsbüro in Frankfurt am Main und danach für eine Agentur in Berlin zu übersetzen. Deutsche Texte in meine Muttersprache Englisch zu übersetzen, bereitet mir unglaublich viel Spaß und fordert mich immer wieder aufs Neue heraus. Denn oft geht es nicht einfach nur um eine 1:1-Übersetzung. Kreatives Wortspiel ist genauso gefragt wie eine bestimmte sprachliche Nuance, die manchmal das gewisse Etwas ausmacht.

Petra: Welche Übersetzungsdienstleistungen bietest du an? Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Lucy: Theoretisch kann ich alle deutschen Texte ins Englische übersetzen. Spezialisiert bin ich in den Bereichen Tourismus, Marketing, Werbung & PR und Websites.

Petra: Mit wem arbeitest du am liebsten zusammen, also mit welcher Art Unternehmen aus welcher Branche?

Lucy: Ich arbeite gerne mit kleinen Unternehmen zusammen und mit solchen, die sich für Nachhaltigkeit und „ethical business“ stark machen. Ich bin selbst nicht auf großes Wachstum aus und das Thema Geld steht nicht im Vordergrund. Ich möchte vielmehr mit meinen Übersetzungen die Firmen unterstützen, die der Welt und der Menschheit etwas Gutes tun möchten. Die Arbeit mit gleichgesinnten Menschen ist etwas Wunderbares.

Petra: Wie grenzt du dich von den großen Übersetzungsbüros ab?

Lucy: Ich lege Wert auf persönlichen Kontakt. Wer LEaF Translations beauftragt, weiß, wer übersetzt. Außerdem ist mir die Qualität der Übersetzung sehr wichtig und dass der Kunde zufrieden ist mit dem Ergebnis. Das kann ich gewährleisten, weil ich mich auf die Sprachkombination deutsch-englisch konzentriere und auch nur solche Aufträge annehme, die ich realistischerweise in der geforderten Zeit umsetzen kann.

Petra: Was war deine interessanteste Übersetzung? Etwas, das dir bis heute gut in Erinnerung geblieben ist?

Papst Benedikt
Papst Benedikt, Quelle: Pixabay

Lucy: Ich sollte einmal einen Brief eines Kardinals an den damaligen Papst Benedikt übersetzen. Das ist wirklich nicht alltäglich und war auch inhaltlich sehr spannend. Offen bleibt aber die Frage, weshalb der Kardinal eine Übersetzung ins Englische für einen deutschen Papst beauftragt hat?! 😉

Petra: Es gibt ja mittlerweile auch (gute) Übersetzungssoftware. Warum sollte ein Unternehmen eine Übersetzerin wie dich engagieren, wenn doch auch eine Maschine bzw. eine Software die Arbeit erledigen könnte?

Lucy: Software kann heutzutage schon ziemlich viel, das stimmt. Und nützlich ist Übersetzungssoftware auch. Google Translate, um nur ein Beispiel für den Einsatz im Alltag zu nennen, ist ganz gut, wenn man im Urlaub im Ausland ist und die Menükarte im Restaurant nicht lesen kann. Wenn es aber um professionelle Texte geht, die Unternehmen auf ihren Websites veröffentlichen, macht Software einfach noch zu viele Fehler. Als Muttersprachler würde man das erkennen, ob es eine Maschine oder ein Mensch formuliert hat.

Software erleichtert mir beim Übersetzen meine Arbeit. Ich nutze z. B. Trados dazu, um Segmente aus Texten herauszufiltern, die ich so oder so ähnlich schon einmal übersetzt habe. Das Tool unterbreitet mir bei neuen Texten Übersetzungsvorschläge, sodass der Stil und die Begrifflichkeiten einheitlich bleiben.  

Ich bin der Meinung, dass besonders in Werbetexten, also für Headlines, Slogans oder Redewendungen, menschliche Übersetzer so schnell nicht von Maschinen ersetzt werden können. Der Schreibstil von Menschen ist immer noch viel besser und nuancierter als der von einer Software. Vielleicht wird es sich mithilfe von künstlicher Intelligenz irgendwann einmal so entwickeln, dass wir Übersetzer „nur noch“ post-editing betreiben. Es bleibt spannend!

Petra: Wo – außer auf deiner Website – findet man dich noch im Internet? Auf welchen sozialen Netzwerken bist du vertreten?

Lucy: Auf Facebook, Twitter und LinkedIn.

Petra: Was gefällt dir an deinem Job am meisten? Und wo siehst du dich in Zukunft?

Lucy: Toll finde ich, dass ich meine Arbeit perfekt mit meinem Familienleben vereinbaren kann. Ich gestalte den Tag selbst, teile mir die Arbeitszeit so ein, wie ich es benötige. Und wenn die Kinder zu Hause sind, bin ich für sie da. Das bringt mir eine gute Work-Life-Balance. Außerdem kann mit meiner Arbeit Vorbild sein, indem ich zeige, dass ethisches Arbeiten auch zum Erfolg führen kann. Das möchte ich zukünftig gerne an Gerministik-Studenten bzw. -Absolventen, die als Übersetzer arbeiten möchten, weitergeben. Ich stelle mir das so vor, dass ich sie zunächst trainiere, meine Erfahrungen sozusagen als Mentor weitergebe, indem ich ihnen kleine Übersetzungsaufgaben von meinen Kunden übergebe und dass sie künftig für LEaF als Übersetzerinnen und Übersetzer arbeiten.

Petra: Vielen Dank, liebe Lucy, für dieses Interview.

Meine Interviewpartnerin

Lucy PembayunLucy Pembayun hat 2017 ihr eigenes Übersetzungsbüro LEaF Translations in York, Großbritannien, gegründet. Wann immer ein Kunde seine deutschen Texte ins Englische übersetzt haben möchte, ist Lucy meine erste Ansprechpartnerin. Sie ist für mich eine wertvolle Partnerin und bleibt mir hoffentlich lange erhalten – egal, ob Brexit oder nicht 😉